Die Grüne Basis – Wer ist das

Geschrieben von Markus Rathmayr am 9. April 2009 | Abgelegt unter Die Grünen, Politik

Die Diskussion über die wahre Grüne Basis hat durch die “Vorwahlen”-Initiative eine ganz spannende neue Relevanz bekommen. Mit dieser Initiative wollen einige Leute die Offenheit des Statuts der angeblich zu geschlossenen Wiener Grünen ausnutzen und mittels massiver Mobilisierung “Ihre” KandidatInnen in den Wiener Gemeinderat schicken. Das ganze läuft dann unter dem Motto “Erneuerung der Partei”.

Klingt doch ganz gut. Und was hat Michael Moore so vehement gefordert: “Take over your local democratic party”! Dieses Zitat kommt bei den OrganisatorInnen sehr oft vor..

 

Michael Moore verstehen – und erst dann zitieren

Aber dieser Vergleich hinkt gewaltig… Im Gegensatz zu Michael Moore geht es den InitiatorInnen nicht um die aktive Mitarbeit im Erstellen der nötigen Inhalte. Es geht nicht darum gemeinsam Klinken zu putzen, mit PassantInnen zu reden und sich von FPÖ-AnhängerInnen anpöbeln zu lassen. Es geht nur darum am 15. November “die eigenen KandidatInnen” in den Gemeinderat zu schicken. Dafür wollen sie von den KandidatInnen überzeugt werden. Wer denn dann die Ehre haben dürfte als “Ihre” KandidatInnen zu gelten. Michael Moore ging es im Gegensatz dazu um konkrete Politik, um basismotivierten Aktionismus und nicht um die besten Medienkontakte und den besten Pragmatismus im Umsetzen der eigenen Ideen – koste es was es wolle (im politischen Sinn). Leider gibt es bei den Grünen auch einzelne EgomanInnen, die sich wenig um grüne Positionen kümmern und ihr Mandat als Legitimation sehen tun und lassen zu können was sie wollen.

 

Ein Grünes Team – statt Grüne EgomanInnen

 

Die AktivistInnen dürfen dann aus der Zeitung erfahren was gerade die Position dieser oder jener Person ist – und gefälligst Grüne Position zu sein hat, da sonst der Absturz ins politische Niemandsland droht. Wenn es um die mühsame Erarbeitung politischer Inhalte geht sind diese Leute natürlich nie zu sehen. Das kriegst du allerdings nur mit, wenn du dich in den Grünen Strukturen bewegst. die AktivistInnen, die ihre Freizeit – meist am Abend – dafür hergeben in Arbeitsgruppen über politische Themen zu diskutieren um zu Positionen zu kommen sind frustriert, wenn ihrer Partei dann via Massenmedien aus den eigenen Reihen Funktionärs-Demokratie vorgeworfen wird. Nun dürft ihr mal raten welche Leute zu den größten BefürworterInnen dieser Initiative zählren…komisch oder? (Korrekterweise füge ich hinzu, dass es auch BefürworterInnen gibt, die sich nicht zu schade sind die tagtägliche mühsame interne und externe Parteiarbeit auf sich zu nehmen, ohne die Demokratie nicht stattfinden kann)

 

Wer bestimmt die Inhalte

Michael Moore spielt auf ein politisches System an, in dem es die klassischen europäischen Parteistrukturen nicht gibt, in dem es 2 parteiartige Bewegungen gibt, die innerhalb so heterogen sind, dass unterschiedliche Strömungen immer an den konkreten Positionen von Einzelpersonen ausgetragen werden. In diesem System stehen Einzelpersonen für Inhalte und definieren über ihren Wahlerfolg, welche Inhalte gerade aktuell sind.

 

Die Wiener Grünen sind demgegenüber eine Bewegung, in der alle zunächst die Inhalte möglichst gemeinsam definieren und die MandatarInnen diese dann nach außen vertreten (müssen), manchmal auch gegen ihre eigene Überzeugung. Wie passt das dann zusammen…

 

Politik ist spannend

Worum es gehen muss ist die Öffnung der inhaltlichen Diskussionen. Wir müssen stärker nach außen gehen mit unseren internen Diskussionsprozessen. Es geht darum die Bevölkerung dadurch ein wenig mehr zu politisieren. Wir Grüne haben die Chance zu vermitteln, wie spannend Politik sein kann. Inhaltliche Differenzen sind gut und wichtig, denn nur durch die Auseinandersetzung mit diesen Widersprüchen ist eine Weiterentwicklung möglich.

11 Kommentare zu “Die Grüne Basis – Wer ist das”

  1. am 10. April 2009 um 06:02 1.Jana Herwig schrieb …

    Guten Morgen und danke für die Berichterstattung!
    Von wegen “dies und jenes kommt bei den OrganisatorInnen sehr oft vor..”: Es gibt in dem Sinne keine OrganaisatorInnen, jedenfalls keine solchen, die irgendwie als Sprachrohr etc fungieren wollen. Drei Leute, Helge, Martin und ich, haben das Ding gestartet (das Zitat steht auf dem Blog von Max Kossatz) und übernehmen z.B. das Pflegen der Website (habe gerade deinen Artikel dort referenziert http://www.gruenevorwahlen.at/reaktionen/).

    Ansonsten geht es aber um jeden einzelnen und jede einzelne, die mitmacht.

    Es gibt keinen Verein, kein Kollektiv, und wird auch bei der Landesversammlung keine gemeinsame Stimme geben, und die vielfältigen Ansichten die es unter den Unterstützer/innen gibt sind auch nicht auf eine Linie zu bringen – Gott sei Dank! Hier geht es jetzt erst einmal darum, dass viele mit machen, viele zeigen, dass sie sich für die Grünen interessieren und diese unterstützen wollen.

  2. am 10. April 2009 um 09:39 2.michaela schrieb …

    verfolge das projekt http://www.gruenevorwahlen.at/ zeitbedingt nur am rande, aber nach meinem verstaendnis geht es doch dabei ganz genau um deine forderung: “die Öffnung der inhaltlichen Diskussionen”, und zwar mit zeitgemaessen kommunikationswegen.

    da tun sich grosse teile der gruenen offenbar noch recht schwer, was ausgesprochen schade ist, weil hier waehlerinnen verloren gehen.

    und offen gesagt finde ich deine zitierpraxis auch ziemlich eigenartig, da du keine einzige quelle verlinkst. das schoene am bloggen ist doch hypertext und dadurch so einfach moegliche verlinkung/vernetzung, findest du nicht?

    viel spass noch!

  3. am 10. April 2009 um 12:17 3.max schrieb …

    So wie Kreisky und Taus in diesem Video diskutieren bitte ich schon darum genau zu zitieren, das komplette Zitat lautet nämlich:

    Take over your local Democratic Party.
    In most counties the local Democratic Party is run by just a few people, ’cause most citizens would never think of showing up. Go to the next county or town Party meeting, and bring ten friends. In most cases your bunch will constitute a majority. Use the rules and the state party by-laws (which can often be found on the Web) and seize control.

    Das wichtige an dem Zitat ist aber “AND BRING TEN FRIENDS” denn die VorwählerInnen sind diese Freunde. Ich selber sehe mich nur als Wähler und werde sicher nicht bei einer Partei mitarbeiten, genausowenig interessieren mich wie schwierig die interne Erarbeitung von Inhalten ist, das ist der Job einer Partei.

    Aber als Wähler möchte ich genau das machen was die Demokratie von mir verlangt: Bestimmen wer mich vertreten soll.
    Die Grünen in Wien bieten mir dazu eine Möglichkeit auf die sie Stolz sein können und die es mir erlaubt schon sehr früh hier mitentscheiden zu können, deswegen möchte ich mir die KandidatInnen in Ruhe anschauen können und mir meine Meinung bilden. Somit können von mir gewählte Personen dann vielleicht eine Partei übernehmen, aber vielleicht finde ich ja auch die bisherigen Personen gut, das ist die freie Entscheidung aller VorwählerInnen, deswegen möchte ich umworben werden.

    Und dazu müssen die Themen und Inhalte von den Grünen kommen, nicht von mir oder anderen VorwählerInnen/UnterstützerInnen. Ich bin das “außen” wie du im letzten Absatz sagst, ich möchte überzeugt werden.

    Das ist natürlich nur meine eigene persönliche Meinung! Andere Unterstützer der Grünen Vorwahlen sehen das sicherlich anders, siehe auch die Antwort von Jana, es gibt eben keinen Verein, kein Kollektiv, sonst könnten wir ja gleich eine Partei gründen. Genauso sind eben WählerInnen, nur darf man sich nicht vor ihnen fürchten.

  4. am 10. April 2009 um 12:27 4.max schrieb …

    PS: ich kann nur dieses Plugin für WordPress empfehlen, erleichtert es ungemein einer Diskussion zu einem Artikel zu folgen.

  5. am 11. April 2009 um 09:24 5.Martin Schimak schrieb …

    Was in Österreich für meinen persönlichen Geschmack viel zu wenige “politische” Menschen berücksichtigen: es gibt keine “Öffnung der inhaltlichen Diskussion” (ja, genau die will ich) ohne nicht auch ein stückweit der “Macht” an diejenigen abzugeben, mit denen man da geöffnet inhaltlich diskutieren will. Menschen interessieren sich für Dinge, die sie am Ende des Tages auch beeinflussen können – völlig zu recht. Und am “Ende des Tages” stehen dort, wo unterschiedliche Positionen oder Prioritäten unter Umständen mal trotz Diskussionen und Drüberredens nicht auflösbar bleiben, Menschen für diese unterschiedlichen Positionen und Prioritäten. Irgendjemand muss dann entscheiden wo’s langgeht – und das heisst eben auch: mit wem es dorthin geht. Irgendjemand? Nach meiner Überzeugung sollten das eben nicht nur Funktionäre sein, die selbst (dankenswerterweise!) Zeit aufwenden um Positionen etc zu entwickeln – die sind prädestiniert dafür passiv gewählt zu werden! Aktiv sollten aber viel mehr wählen. Warum? Die “demokratische Qualität” wird steigen, wie dies eine grüne Teilnehmerin unseres ersten Jour Fixe so schön ausgedrückt hat. Und wenn diese steigt, wenn die gewählten Personen zur bei der Gemeinderatswahl wählenden Basis (der Grünwähler/innen) möglichst vielfältig “passen” – dann wird am Ende des Wahltages auch das Wahlergebnis für die Grünen wieder “passen”. MfG!

  6. am 6. Mai 2009 um 18:09 6.» Grüne Gewissensprüfung · Helge's Blog schrieb …

    [...] dass diese Debatte fast ausschließlich hinter geschlossenen Türen stattfindet. Als Ausnahme sei dieses Posting des Vorstandsmitglieds Markus Rathmeier erwähnt. Seine Message: “Die Grüne Basis sind WIR, [...]

  7. am 8. Mai 2009 um 09:00 7.politikblog.at » Warum die Grünen ein WIR-Gefühl brauchen schrieb …

    [...] fasst Helge Fahrnberger in seinem Blog meine Position aus diesem Beitrag zusammen. Na ja, ein wenig kurz aber eigentlich gar nicht unrichtig. Mit dem wichtigen Zusatz, dass [...]

  8. am 8. Mai 2009 um 10:07 8.Liebe Grüne! Ich bin enttäuscht… « DoBros schrieb …

    [...] will nicht “meinen KandidatInnen” in den Gemeinderat [...]

  9. am 9. Mai 2009 um 00:07 9.adi schrieb …

    “Mit dieser Initiative wollen einige Leute die Offenheit des Statuts der angeblich zu geschlossenen Wiener Grünen ausnutzen und mittels massiver Mobilisierung “Ihre” Kandidaten in den Wiener Gemeinderat schicken.”

    !!!das strotzt ja nur von deiner Unwissenheit über dieser Aktion!!!
    Und du diskreditierst damit jeden Grün-Wähler, der als nicht denkende Maschine nach deiner Formulierung agieren würde. Und das ist schlichtweg falsch!

    ich bin kein Initiator, aber ein Unterstützer, und kann klar denken. Ich würde einen Kandidat nur wählen, wenn er von den Inhalten überzeugt und nicht weil ihn die Initiatoren der “grünevorwahlen” eventuell vorschlagen würden!
    Nur eines muss man auch sagen: wenn es Kandidaten gibt, die sich nicht einer Öffentlichkeit (ob in der Presse, im Internet, auf Blogs, persönlich, etc.) stellen: d.h. darstellen wofür sie stehen, was sie realisieren möchten, etc. >> na dann kann man solche ignoranten Kandidaten gar nicht wählen.

  10. am 10. Mai 2009 um 21:12 10.Markus Rathmayr schrieb …

    @adi
    ja, du hast recht, die Initiative versteht sich nicht als Mobilisierungsverein für Einzelpersonen, und es ist ungerecht Einzelnen dies zu unterstellen. Da haben die letzten Wochen ein wenig mehr Klarheit gebracht. Zu deinem 2. Punkt kann ich dir versichern, dass die Grünen hier sehr aktiv sind. wir haben bereits letztes Jahr einen Prozess gestartet, der allen KandidatInnen sehr weitreichende Möglichkeiten bieten wird, sich aktiv im Internet zu präsentieren, zu diskutieren und generell sehr transparent ihre Haltungen darstellen zu können.

  11. am 24. Mai 2009 um 16:34 11.adi schrieb …

    ja das gefällt mir sowieso, dass immer mehr Politiker als Einzelmenschen einer Partei sich öffentlich präsentieren. so wird die Partei etwas menschlicher und auch transparenter.

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