Warum die Grünen ein WIR-Gefühl brauchen

Geschrieben von Markus Rathmayr am 8. Mai 2009 | Abgelegt unter Die Grünen, Politik

Die Basis sind WIR und nicht IHR

So fasst Helge Fahrnberger in seinem Blog meine Position aus diesem Beitrag zusammen. Na ja, ein wenig kurz aber eigentlich gar nicht unrichtig. Mit dem wichtigen Zusatz, dass bei den Grünen das WIR dermaßen offen gestaltet ist, dass wirklich jeder ein Teil dieses WIR werden kann. Warum ist mir dieses WIR so wichtig?

Jede Bewegung – und als solche sehe ich die Grünen nach wie vor – braucht etwas Identitätsstiftendes, etwas wofür es sich lohnt Zeit und Energie – auch emotionaler Art – zu investieren. Ja wir Grünen brauchen die bewusste Abgrenzung der eigenen Identität zu der der anderen. Es geht in der politischen Auseinandersetzung nicht nur um pragmatische Fragen, sondern auch ums Eingemachte, um politische Wertesysteme – um Ideologiefragen. Ich halte die Entideologisierung der politischen Diskussion für einen Hauptgrund der fortschreitenden Politikverdrossenheit und Entpolitisierung der Gesellschaft (siehe Christoph Chorherr). Die unterschiedlichen Positionen in Sachfragen, sei es nun Vermögenssteuern, Einwanderungspoltik, Bildungspolitik oder auch simple Mobilitätsfragen finden nicht im ideologiefreien Raum statt. Es stehen Menschen- und Gesellschaftsbilder dahinter. Würden wir mehr darüber im tagtäglichen politischen Diskurs reden hätten wir schon einen wichtigen Schritt aus der Krise der Demokratie getan. Ich glaube übrigens nicht, dass die Gesellschaft politikverdrossen ist, sondern sich nach Politik sehnt, die ihr seit Jahrzehnten vorenthalten wird.

Was hat das nun mit den Grünen und der WIR-Frage zutun? Ein halbwegs konsistentes Wertesystem nach Innen braucht Symbole der Grenzziehung nach außen. Wenn die gemeinsamen Grundwerte das Dach der Grünbewegung sind, so braucht es tragende Grundmauern, die dieses Dach halten. Reißen wir alle Mauern nieder geht die Stütze verloren und das ganze Gebäude fällt in sich zusammen. Wer glaubt ohne Dach auskommen zu können wird sehr bald alleine im Regen stehen.

Aber, dieses Grüne Haus braucht viele viele Türen und wir müssen ständig daran arbeiten diese weit offen zu halten, wahrscheinlich würden uns größere Fenster auch nicht schaden.

Wenn so oft von Obama als positives Beispiel die Rede ist, dann muss schon erwähnt werden, dass auch Obama und das amerikanische System nicht ohne Symbole auskommt. Auch hier braucht jede erfolgreiche Bewegung tragende Mauern und ein gemeinsames Dach. Im Unterschied zu uns wird dort für jede Wahlbewegung ein neues Haus errichtet, mit neuer Identität und neuen Symbolen. Die Leute finden sich temporär unter diesem gemeinsamen Dach ein und zerstreuen sich danach wieder. Das ist ja der Hauptgrund warum die amerikanischen Wahlkämpfe so lange sind und Unsummen verschlingen. Abgesehen davon, dass sie meistens im ideologiefreien Raum abgehalten werden, da wirkliche fundierte Grundwerte-Gemeinschaften so kurzfristig nicht aufgebaut werden können.

25 Kommentare zu “Warum die Grünen ein WIR-Gefühl brauchen”

  1. am 8. Mai 2009 um 09:35 1.Martin Schimak schrieb …

    Hallo Markus,

    Wir nähern uns der Definition des strittigen Punkts: Vollständig formuliert lautet Helges Aussage für mich ja: “Die Basis sind WIR *alle* (im grösseren grünen Kreis), und nicht IHR *alleine* (im grünen Haus). Was Du hier für mich machst, korrigier mich, wenn ich Dich falsch lese: WIR (im grünen Haus) brauchen klare Grenzen gegenüber EUCH draussen – und die sind ideologisch definiert. Wer es mitträgt ist drinnen, wer nicht oder nicht vollständig ist draussen.

    Die Sache mit der Ideologie: sie ist nicht dann problematisch, wenn es um echte grundlegende Werte geht, zB ein aufrichtiges Bemühen um die gerechte Verteilung von wirtschaftlicher Teilhabe und Chancen, die Offenheit gegenüber kulturell “fremden” Menschen etc. Problematisch wird sie dann, wenn sie viel zu eng gezogen wird, wenn die MITTEL die durch solche Werte vermittelten Ziele zu erreichen nicht mehr in Frage gestellt werden dürfen, weil sie bereits zur Grenzziehung gegenüber “draussen” verwenden werden.

    Konkretes Beispiel (echte) Vermögenssteuer: Sie kann ein MITTEL sein, um hinsichtlich “gerechter Verteilung von wirtschaftlicher Teilhabe und Chancen” einen Beitrag zu leisten. Es gibt aber auch ganz andere Modelle, die wenn man sich tiefergehend mit ihnen beschäftigt als dies in der österreichischen Debatte der Fall ist plötzlich in anderem Licht erscheinen. So geht zB Dänemark einen Weg teils sehr hoher Konsumsteuern (zB auf Autos) – ein Konzept, das auch in der Debatte um ein allgemeines Grundeinkommen eine Rolle spielt. Was ich hier damit sagen möchte: Wenn ich jemandem der sagt “Vermögenssteuern – eher nein” gleich unterstelle, dass er eben ein “anderes Menschen- und Gesellschaftsbild” haben muss und mich mit dieser Interpretation seiner Haltung begnüge, dann schneide ich ihn in seiner ganzen Persönlichkeit von mir ab – ich grenze mich ab: Wir und Ihr. Die Konsequenz daraus ist dann unter anderem, dass ich über seine Art zu denken selbst nichts weiter lernen werde – und hinsichtlich meines Werkzeugkastens zur Erreichung meiner eigenen politischen Ziele auf der Stelle treten werde.

  2. am 8. Mai 2009 um 10:12 2.Markus Rathmayr schrieb …

    @Martin
    Da hast du mich falsch verstanden bzw. ich mich missverständlich ausgedrückt. Ich bin überhaupt nicht davon ausgegangen, dass irgendjemand konkret ideologisch nicht zu uns passt. Das will ich niemandem unterstellen und ist eine völlig andere Frage. Meine Ausführung war prinzipieller gedacht. Es braucht eine Abgrenzung damit eine Bewegung existieren kann. Die Aussage, die wahre Basis sind die WählerInnen und Basisdemokratie bedeutet, dass diese Gesamtheit der WählerInnenschaft (für mich das Außen) konkret die Liste zu bestimmen hat, will diese Grenze abschaffen – und das kann m.E. nicht funktionieren. Für jede/n Einzelne/n stellt sich daher die Frage, betrachte ich mich als WählerIn, der/die von Außen die Liste der Grünen mitbestimmen will, oder betrachte ich mich als Teil der Grünen Bewegung und überschreite diese Grenze, was mir dann mehr Möglichkeiten bietet, als anderen, die nicht dabei sein wollen.

  3. am 8. Mai 2009 um 10:36 3.Helge schrieb …

    Hallo Markus,

    im Grundsatzprogramm der Grünen steht von dieser Abgrenzung aber nichts:

    Basisdemokratie ist ein grundsätzliches Beteiligungsrecht der Menschen. Demokratische Systeme sind nicht nur an ihren repräsentativen, sondern auch an den Möglichkeiten realer Teilhabe an den Entscheidungsprozessen des Gemeinwesens zu messen. … Wesentlich ist, dass die Beteiligung von BürgerInnen an Entscheidungsprozessen auf möglichst vielen Ebenen gewährleistet wird.

    … Machtverhältnisse etwa müssen in einem fortwährenden Prozess immer wieder neu einer demokratischen Prüfung unterzogen werden. Zentrale gesellschaftliche Fragen können nicht allein mit Mehrheitsentscheidungen erledigt werden. Über derartige Fragen müssen gesellschaftliche Diskurse geführt und etwa alle realisierbaren Alternativen in einer für alle zugänglichen Öffentlichkeit dargestellt werden.

    Es geht also darum, einen Raum für Auseinandersetzungen und politische Entscheidungsprozesse zwischen den Parteien und zivilgesellschaftlichen AkteurInnen zu schaffen.

    Dazu ist eine Verknüpfung der repräsentativen Demokratie mit gesellschaftlicher Mitbestimmung anzustreben und eine permanente Kommunikation zwischen MandatarInnen und der Bevölkerung. In dieser Zusammenarbeit entfaltet sich die Qualität des Demokratischen.

    Dieses Demokratieverständnis findet aber nicht nur im gemeinsamen Entscheidungsprozess für die Grüne Politik ihren Ausdruck, sondern auch in der Parteistruktur. In diesem Sinne sehen sich die RepräsentantInnen der Grünen in allgemeinen Vertretungskörpern und Gremien für die Umsetzungen dieser Entscheidungen gegenüber der Partei und den zivilgesellschaftlichen AkteurInnen auch verantwortlich.

    Im Gegenteil: All hätte auch das Initialmanifest für die Grünen Vorwahlen sein können. Inbesondere der Satz “Machtverhältnisse etwa müssen in einem fortwährenden Prozess immer wieder neu einer demokratischen Prüfung unterzogen werden.”

  4. am 8. Mai 2009 um 10:59 4.Markus Rathmayr schrieb …

    @Helge
    Ich schreib auch nicht ins Grundsatzprogramm, dass die Erde rund ist, oder 2+2=4, sorry das hat jetzt nix mit Parteien zutun sondern ist einfachste Grundlage jeder Organisationsentwicklung.

    Der Satz “Machtverhältnisse etwa müssen in einem fortwährenden Prozess immer wieder neu einer demokratischen Prüfung unterzogen werden.” bedeutet genau das. Es geht um “demokratische Prüfung” und darum wer legitimiert ist demokratisch zu prüfen, natürlich auch die grüninternen Machtstrukturen. aber wer ist die Basis dieser demokratischen Überprüfung.

    BürgerInnenbeteiligungsverfahren in einem Wiener Bezirk sollen auch in einer Grünen Welt auf die BewohnerInnen dieses Bezirks beschränkt sein bzw. meist sogar auf ein Grätzl limitiert sein – und das ist auch richtig so!

  5. am 8. Mai 2009 um 11:32 5.Helge schrieb …

    @Markus:

    Vielleicht sollte nochmal festgehalten werden, dass die Gruenen Vorwahlen nur das tun, was die Grünen bislang bewusst ermöglicht und gefördert haben:

    - Das Statut sieht das Wahlrecht von Unterstützern auf Landesversammlungen vor.
    - Auf der Grünen Website haben die Grünen bis vor kurzem noch mit dem Text “ohne einen Finger zu rühren” um Unterstützer (dort “Typ KIWI” genannt) geworben.

    Klar, jetzt wirst du antworten, dass im Statut davon die Rede ist, dass man als Unterstützer seine Absicht erklärt, bei der Partei mitzuarbeiten. Genau das tun aktive Wähler aber auch, wenn sie sich an der politischen Diskussion und Kandidatenauswahl aktiv beteiligen.

    Noch mal: Euer Grundsatzprogramm definiert Basisdemokratie als “Bürgerbeteiligung auf möglichst vielen Ebenen” und nicht als wie du als Funktionärs- und Mitgliederdemokratie. Die von dir formulierte Abgrenzung kommt im Grundsatzprogramm nicht nur nicht vor, sondern steht auch im Widerspruch zu diesem.

  6. am 8. Mai 2009 um 12:14 6.max schrieb …

    @Markus:
    Ich bitte dich einmal anhand von konkreten Beispielen zu erklären was du unter Mitarbeit bei den Grünen verstehst, aber bitte abseits von Zettel verteilen und Plakatständer aufstellen, denn mir und ich glaube da geht es anderen genauso, ist nicht klar was damit gemeint ist.

  7. am 8. Mai 2009 um 12:44 7.Markus Otti schrieb …

    Eine Durchbrechung der Abgrenzung zwischen der Bewegung und ihren WählerInnen/SympathisantInnen ist doch noch keine Abschaffung. Soweit ich es verstanden habe, behauptet ja auch niemand, dass die UnterstützerInnen die “wahre” Basis wären, sondern lediglich, dass sie – neben Parteimitgliedern und FunktionärInnen – auch Teil der Basis sind. Gesteht man ihnen ein Wahlrecht zu, dann wird damit keineswegs die Grenze der Bewegung aufgehoben: durchbrochen, ja, aber das kann im Sinne von mehr Fenstern und Türen ja nur gut sein… Die UnterstützerInnen bestimmen die Liste nicht im Alleingang, sie wirken nur mit, und zwar ohne sonstige weitergehende Mitbestimmungsrechte zb was konkrete inhaltliche Entscheidungen anbelangt. Bei aller Sympathie für die Bedenken, dass die Bewegung bzw ihre Grundwerte verwässert oä werden könnten: Gerade dieses rigide Wir-drinnen/Ihr-draußen-Denken schlägt sich dann oft in dem Vorwurf nieder, die Grünen seien eine “ganz normale Partei” geworden. Da hat man nämlich ohne Parteibuch auch nichts zu melden (so gut gemeint das auch sein mag).

  8. am 10. Mai 2009 um 21:02 8.Markus Rathmayr schrieb …

    @Helge,
    sorry, aber nein. Bei dieser (deiner) Interpretation fehlen mir die Worte.

    @max
    verzeih’ wenn ich dir nicht mit einer taxativen Aufzählung antworte, sondern ein bisschen aushole. Der Sinn des Passus im Statut war, dass Leute, die bereits bei den Grünen als AktivistInnen dabei sind und sich beteiligen, möglichst rasch weitreichende Mitenscheidungsmöglichkeiten bekommen sollen. Als Web-Typ schließe ich auch Internet-Aktivismus als Mitarbeit nicht aus, aber es geht grundsätzlich um die Intention. begreife ich mich als Teil der Grünen oder bin ich eigentlich nur WählerIn und sehe ich mich nicht als Teil der Grünen.

    @Markus Otti
    Ich gebe dir vollkommen recht, so soll es sein, und so sehe ich es auch! Siehe meinen obigen Absatz zum Selbstverständnis, ob man sich als teil der Grünen fühlt. Wie du siehst erkennt z.B. Helge die Abgrenzung gar nicht an

  9. am 10. Mai 2009 um 22:54 9.Markus Otti schrieb …

    Und was leitest du bezüglich der “Vorwahlen” daraus ab? Sollen also ausschließlich Parteimitglieder über Stimmrechte verfügen? Widerspräche das nicht dem Konzept einer Bewegung, ist das nicht eben Merkmal einer klassischen Partei? Ist es nicht Vorteil einer Bewegung gegenüber einer Partei, dass sie die Entscheidungsstrukturen offener gestalten kann bzw will? Dass sie eben auch UnterstützerInnen im Sinne von (bloßen) SympathisantInnen Mitspracherechte einräumt? Vielleicht wäre es sinnvoll, sich weniger darauf zu konzentrieren, wie der Passus ursprünglich gemeint war, sondern wie man ihn nützen kann, um die Bewegung lebendig zu erhalten. Du scheinst davon auszugehen, dass die Grünen ein eingeschworene Gemeinschaft an AktivistInnen sind/sein sollten und dass jeder, der nicht soundsoviele Wochenstunden in den Dienst der Bewegung stellt/stellen will, eben nicht dazugehört und folglich nichts mitzureden hat: Ist das nicht eher das Selbstverständnis einer NGO oder als einer wahlwerbenden Partei? Die Vorwahlen wären eine ausgezeichnete Gelegenheit, sich mit dem “nicht-aktivistischen” Teil der Bewegung kurzzuschließen: Die Kandidatenliste profitiert letztlich davon, dass auch der Blick von AußenseiterInnen berücksichtigt wird, weil sich die Kandidaten schon vor den Gemeinderatswahlen mit ihren WählerInnen auseinandersetzen werden. Und die UnterstützerInnen dürfen sich als geschätzter Teil der Basis fühlen, weil sie ihre Meinung nicht nur äußern dürfen, sondern damit auch ein wenig Einfluss auf wichtige Entscheidungen haben – in bester demokratischer Tradition.

    Mir fällt beim besten Willen nicht ein, wo/wie hier für die Grünen Schaden droht. Vielleicht hab ich was übersehen?

  10. am 10. Mai 2009 um 23:01 10.Martin Schimak schrieb …

    @Markus Rathmayr: Was genau unterscheidet jemand, der “Teil der Grünen” ist von jemand der Grün wählt? Du sprichst hier von “Intention”, sagtest aber weiter oben es ginge eigentlich nicht um “Ideologie”. Was also ist es, ich kenn mich offen gestanden nicht aus… oder gehts darum, dass man alles mitträgt und seine eigene Meinung nicht mehr öffentlich äussert sondern nur mehr in “Gremien” diskutiert? Ist es das?

  11. am 11. Mai 2009 um 09:48 11.Markus Rathmayr schrieb …

    @Markus Otti
    Alle die sich als Teil der Grünen verstehen und sich einbringen sollen mitbestimmen können. Sie sind für mich die Basis. Du unterstellst mir ich verlange eine gewisse Anzahl an Wochenstunden obwohl ich in meiner vorigen Antwort an max dem genau widersprochen habe.

    @Martin
    Es unterscheidet beide, dass die einen (Teil der Grünen) eine gewisse Verantwortung für das Ganze tragen, während die anderen (reine WählerInnen) dies nicht tun müssen. Wann habe ich gesagt es ginge nicht um Ideologie? Es geht bei den Grünen sehr wohl um Ideologie! Ich kann nur niemandem – oder nur sehr wenigen – vorwerfen aus ideologischen Gründen nicht zu den Grünen zu passen. Die Ideologiefrage steht bei dieser Geschichte nicht an erster Stelle, wenn du das meinst. Wenn es so wäre, wäre es ja für uns im Vorstand ziemlich einfach…

  12. am 11. Mai 2009 um 11:37 12.max schrieb …

    @Markus Rathmayr
    Ist diese Grenze wirklich so definierbar? Wenn ich die Grünen wähle begreife ich mich eigentlich auch (irgendwie) als den Grünen nahe, auch denke ich das eure WählerInnen ebenso eine Verantwortung tragen wenn sie ihr Recht ausüben, ich überlege mir immer was ich wähle. Auch sehe ich schon auch die WählerInnen als “Basis”.

    Spannend dazu finde ich auch die “Umfrage” im aktuellen Fleisch (das mit dem blauen Cover) unter den Grünen, absolut lesenswert!

  13. am 17. Mai 2009 um 15:44 13.Tom Schaffer schrieb …

    der gag im moment ist ja, dass ich problemlos mitglied werden könnte, um den eigentlich bestehenden unterstützerstatus aber ein riesenaufstand gemach wird. ich begreife mich als grüner, weil ich inhaltlich in dieser partei ziemlich gut beheimatet bin. ich will aber keiner partei beitreten.

    der widerspruch deiner haltung ist für mich recht klar ersichtlich: du sprichst von ideologischen grundwerten einer bewegung in deinem posting die die abgrenzung da sind, aber du machst die grenzen in wahrheit an einem formalen mitgliedsstatus fest.

    und dass bei diesem status die basis nicht ideologisch gleichgesinnte sondern formale mitglieder sind, wird momentan grad ganz eindeutig bewiesen.

  14. am 17. Mai 2009 um 15:47 14.Georg Pichler schrieb …

    Sorry, Markus, aber alles was ich in deinen Kommentaren gelesen habe, lässt sich weitestgehend als “Wähler=Stimmvieh” subsummieren, wenn du sie nicht als Basis verstehst. Und als Mitglied der Grünen kann ich das nicht nachvollziehen.

    Viele der Vorwähler tragen “Grüne Werte” nach aussen, unterstützen Projekte die auf solchen basieren, machen wohl auch “Wahlwerbung” für uns in ihrer Bekanntschaft und setzen sich zu guter Letzt auch dafür ein, demokratische Prozesse weiterzuenzwickeln und zu verbreitern (weil nichts anderes sind im Grunde die Grünen VW).

    das ist als “Mitarbeit” genauso legitim wie auf der Straße stehen und flyern. Wie bei jeder Neuerung gibt es auch hier neben vielen Chancen auch ein paar Risken, die man durchaus eingehen kann, sollte und muss, wenn man an aben genannter Weiterentwicklung der Demokratie interessiert ist.

    Und um Himmels Willen – auch Wähler tragen Verantwortung. Nämlich die, die sie mit ihrer Stimme weitergeben. Mandate, Kompetenzen und Einfluss wachsen nicht auf Bäumen. Wenn man sich dessen bewusst ist, ist es eigentlich Wahnsinn, die grünaffinen Wähler nicht als Basis zu sehen. Ich bin ehrlich schockiert, dass dir bei Helges Interpretation des Statuts “die Worte fehlen”.

  15. am 17. Mai 2009 um 21:30 15.Markus Rathmayr schrieb …

    @tom
    stimmt nicht. es werden derzeit sowohl mitgliedsanträge als auch unterstützerinnenanträge gleich behandelt

    @georg
    bis auf deinen ersten satz gebe ich dir ja recht, bzw. lässt sich darüber differenziert reden. warum ich nicht glaube, dass die wählerinnen unsere basis sind, sondern der absolute souverän, der über die umsetzung der zur auswahl stehenden gesellschaftsmodelle entscheiden muss habe ich ohnehin schon dargelegt. diese letztentscheidung als “stimmvieh”-dasein zu verunglimpfen finde ich aber gewagt!

  16. am 17. Mai 2009 um 23:34 16.Georg Pichler schrieb …

    Die Entscheidung des absoluten Souveräns ist natürlich wichtig, aber warum sollen wir den Anteil davon, der an uns sehr interessiert ist, weitere Mitsprache verweigern?

    Und ich habe diese niemals verunglimpft, sondern finde eher, dass du das tust, wenn man deine Aussagen zur Trennung Basis/interessierte Wähler zwischen den Zeilen liest – “Sie wählen uns zwar aber tun sonst nichts für uns”. Obwohl das nicht stimmt. Speziell jene Leute die am Vorwahlprojekt interessiert sind, wirken – wie im letzten Kommentar beschrieben – durchaus auch für uns, auch wenn sie nicht flyern gehen.

  17. am 18. Mai 2009 um 20:58 17.Markus Otti schrieb …

    @ Markus (zu nr 15)
    Ich finde, dass ein Unterschied zwischen WählerInnen und UnterstützerInnen gemacht werden muss: Richtig finde ich auch, dass “bloße” WählerInnen nicht unbedingt zur Basis gehören – insofern finde ich es nachvollziehbar, wenn du da eine Abgrenzung haben willst. UnterstützerInnen stehen der Bewegung aber doch deutlich näher, wie hier in den Kommentaren ja schon anschaulich ausgeführt wird (aktive Tätigkeiten für die Grünen, förmliche Erklärung etc). Sie befinden sich in einer Grauzone zwischen WählerInnen und Vollmitgliedern; immerhin identifizieren sie sich mit der Bewegung doch sehr viel stärker als durchschnittliche WählerInnen (bzw sind erklärtermaßen dazu bereit). Die Basis zu verbreitern müßte doch ein Grundanliegen der Grünen sein.

  18. am 24. Mai 2009 um 16:29 18.adi schrieb …

    solange nicht eindeutig klar ist, was die Grünen unter einem Unterstützer verstehen, lohnt es sich da gar nicht mitzudiskutieren.
    Der eine von den Grünen sagt dies, und der andere wieder das. Und beide haben unterschiedliche Meinungen dazu.

    Es wäre wünschenswert, wenn die Grünen mal zu einem Punkt kommen, und den Typ Unterstützer als auch den Typ Mitglied und sonstige Typen detailierter und genauer beschreibt:
    a) was ist zu tun
    b) was darf man tun

  19. am 25. Mai 2009 um 13:06 19.Markus Rathmayr schrieb …

    @Markus Otti
    Es geht um die Verbreiterung der Basis. Da müssen wir weiter viel Energie investieren, sonst kommen wir nocht mehr durch. Du hast das mit der Grauzone wirklich gut beschrieben, dem kann ich mich nur anschließen

  20. am 25. Mai 2009 um 13:08 20.Markus Rathmayr schrieb …

    @adi
    Rat mal warum wir so lange für die Entscheidung brauchen. Diese Fragen sind nämlich gar nicht einfach zu beantworten.

  21. am 4. Juni 2009 um 21:47 21.Tom Schaffer schrieb …

    weil du beim letzten mal diesen punkt nicht beantwortet hast und deine unveränderte meinung heute abend im Kent leider nochmal ohne berücksichtigung dieses denkfehlers wiederholt hast:

    der widerspruch deiner haltung ist für mich recht klar ersichtlich: du sprichst von ideologischen grundwerten einer bewegung in deinem posting die die abgrenzung da sind, aber du machst die grenzen in wahrheit an einem formalen mitgliedsstatus fest.

  22. am 5. Juni 2009 um 08:17 22.Markus Rathmayr schrieb …

    @Tom
    Kein Denkfehler, sondern andere Ebene. Die Diskussion um die Basis einer Partei ist eine grundsätzliche, welche eben auf der Meta-Ebene zu führen ist. Die konkrete Ableitung ist dann ein zweiter Schritt. Auf dieser Meta-Ebene bedeutet das für mich bezogen auf das Selbstverständnis der “Neuen”, dass jede/r sich als Teil der Bewegung verstehen muss und nicht als von außen Mitmischende/r, der/die eigentlich eben nicht wirklich dazugehören will.

    Die konkrete Übersetzung ist dann eine andere, nicht minder spannende Frage, die sich aber dann aus diesem Grundverständnis ergeben muss.

  23. am 5. Juni 2009 um 12:29 23.Markus Otti schrieb …

    Zu Selbstverständnis, Abgrenzung:

    Bei den letzten NR-Wahlen haben in Wien 134.096 Menschen grün gewählt. Innerhalb dieser Gruppe existiert ein Kerngruppe an Personen, die sich den grünen Idealen bedingungslos verpflichtet fühlt, das Programm der Grünen voll und ganz unterstützt, sich inhaltlich intensiv mit grünen Themen und Standpunkten auseinandersetzt. Diese Gruppe wiederum zerfällt in zwei Lager: die einen legen Wert auf eine “klassische” Parteimitgliedschaft, viele davon haben das Bedürfnis und die Zeit, sich sehr intensiv nicht nur in die inhaltliche Diskussion sondern auch in die konkrete Organisation einzubringen. Das seid “Ihr”. Die anderen können oder wollen (warum auch immer) – jedenfalls zunächst – sich nicht in die konkrete Organisation einbringen, sind aber genauso zur inhaltlichen Auseinandersetzung bereit. Mehr noch, diese findet ja bereits statt, nur eben “privat”, ohne Auswirkungen auf die Bewegung. Diese Gruppe sind “Wir”.

    Ich leite daraus ab:
    1. Beide Lager zusammen bilden die Basis der Grünen, weil in der Identifikation mit grünen Werten und in der Bereitschaft zur ernsthaften inhaltlichen Auseinandersetzung kein Unterschied besteht.
    2. Ein Teil leistet (oft deutlich) mehr als der andere: Folgerichtig hat dieser “harte Kern” an klassischen Parteimitgliedern und FunktionärInnen auch die Deutungshoheit über das Statut und kann im Anlassfall durch das Organ Landesvorstand über Wohl und Wehe der anderen Gruppe entscheiden.
    3. Der andere Teil ist ein permanenter Teil der Bewegung, mitnichten einer, der sich nur zu Wahlen zusammenrottet und sich dann wieder aus dem Staub macht. Die Idee – und das wird viel zu wenig kommuniziert – wäre schon, dass hier langfristig eine Plattform für den inhaltlichen (sprich: sachlichen und ideologischen) Diskurs geschaffen wird. Wahlen sollten da nur ein Anlass sein, das ganze in Bewegung zu bringen. Dass Demokratie nicht nur mitreden, sondern auch mitgestalten bedeutet, halte ich für selbstverständlich.
    4. Für die Frage der Abgrenzung ergibt sich: Wir, die Grünen, sind Mitglieder und UnterstützerInnen; zu den VorwählerInnen existieren organisatorische Grenzen, ideologische oder sonstige inhaltliche nicht: hier werden durch die Bank dieselben Standpunkte genauso kontrovers wie auch unter den Mitgliedern vertreten. Wir befinden uns alle unter einem Dach, durch die Unterscheidung UnterstützerIn/Mitglied wird gewährleistet, dass es immer einen festen Kern der Bewegung gibt und sie nicht einfach im Ansturm der Massen untergehen kann.

    @Markus: Wo siehst du die Lücken dieser Theorie?

    Letztlich ist meiner Meinung nach nur eine, rein organisatorische Frage von entscheidender Bedeutung (und die ist selbstverständlich zu stellen, wenn man das Statut ernstnimmt): Wie kann der Landesvorstand sicher sein, dass tatsächlich alle unter einem Dach versammelt sind?

    Da man von vornherein nie Gewissheit haben kann, wie es um die Weltanschauung seiner Mitmenschen bestellt ist, sofern sie sich nicht schon im Grundlegenden unterscheidet (und das ist hier ganz offensichtlich nicht der Fall) muss man zum Schluss kommen: Die Vermutung streitet dafür, dass jede/r VorwählerIn Teil der Bewegung sein sowie ihr/sein Scherflein dazu beitragen will. Gibt es da Verdachtsmomente, dass dem nicht so sein könnte? Wenn das so ist, wäre es vielleicht sinnvoll, darüber zb in Form einer Liste zu informieren und das zur Diskussion zu stellen – damit Verschwörungstheorien und Ängste auf beiden Seiten sachlich und nüchtern ausgeräumt werden können.

  24. am 5. Juni 2009 um 14:31 24.Jürgen Koprax schrieb …

    @Markus: Ich sehe das genauso wie du.

  25. am 5. Juni 2009 um 17:28 25.Tom Schaffer schrieb …

    Auf dieser Meta-Ebene bedeutet das für mich bezogen auf das Selbstverständnis der “Neuen”, dass jede/r sich als Teil der Bewegung verstehen muss und nicht als von außen Mitmischende/r, der/die eigentlich eben nicht wirklich dazugehören will.

    Aber zu diesen Grundwerten bekennen sich die Leute doch per Aufnahmeansuchen.

    Ich kann jetzt nur für mich sprechen: Ich fühle mich als Grüner – also als Teil der Bewegung.

    Bleiben wir doch im Web 2.0 zum Beweis: Unter “politische Richtung” steht in meinem StudiVZ-Profil seit jeher “grün”. ;) Mein Blog kennst du ja – ich weiß nicht wie viele Plädoyers ich da schon für grüne Politik geschrieben habe.

    Ich weiß auch von vielen anderen Leuten (bzw von allen VorwählerInnen, die ich persönlich kenne), die nun quasi darum betteln müssen an der Erstellung der personalen Vertretung teilnehmen zu dürfen, dass sie die grünen Grundwerte super finden.

    Ich will aber nicht in die Politik und ich will grundsätzlich unabhängig bleiben. Ich will nicht in eine Partei eintreten. Das hat für mich keinen Vorteil, keinen Sinn. Darum ist dieser Unterstützerstatus der mir trotzdem Partizipation ermöglich ja eigentlich eine so tolle Sache.

    Gerade die Grünen, die zwar Partei sind aber sich doch als Bewegung begreifen, sollten diese Bewegung nicht dadurch bremsen, dass sie Sympathisanten vor Hürden stellen.

    Vielleicht sind die meisten Leute da nicht unmittelbar bereit, sich auf die Straße zum Flyerverteilen zu stellen. Aber die Chance das sie euch jemals aktiv helfen kann man nur dadurch stärken, dass man ihnen nicht pausenlos vor die Füße gagst.

    Ja, ihr seid in Sachen Einigelung nicht so schlimm wie die anderen Parteien. Wissen wir.

    Aber das was da momentan gezeigt wird ist andererseits für viele trotzdem nicht gut genug (und das schadet der grünen Bewegung). Und nicht in böser sondern in bester Absicht drängen einige diese Leute nun zu euch. Auf ihre Art wollen sie der Bewegung helfen. Nicht als Mitglied, nicht beim Flyerverteilen, sondern über eine Initiative huin zu mehr Offenheit, Transparenz und Kommunikation.

    Nutzt das doch BITTE um der Bewegung mehr Schwung zu verleihen, anstatt euch einzuigeln. Was mich am meisten zur Verzweiflung bringt ist, dass unter den Grünen so viele zu sein scheinen, die diese Chance einfach nicht sehen wollen. Ich hätte vorher nicht gedacht, dass es in dieser Partei so ängstliche und deshalb Status-bewahrende Menschen gibt. Ich hatte da ein viel positiveres Bild von euch, das ihr wirklich massiv enttäuscht habt.

    Eine Bewegung kann man nicht sein, wenn man auf einen Mitgliedsstatus pocht und dann verweist, dass man eh besser als die verkalkten anderen ist, die seit Jahren jede Wahl verlieren.

    Eine Bewegung kann man nicht sein, wenn man begeisterte Menschen 2,5 Monate lang auf die Antwort warten lässt, ob man sie den mitmachen lassen will.

    Gestern kam auchdas Argument auf, dass die Grünen Partizipation auf allen Ebenen verlangen. Nur ein Kreuzerl bei der Listenerstellung zu machen, sei zu wenig.

    Das mag gut sein. Und vielleicht werden die VorwählerInnen tatsächlich nie was anderes machen (unwahrscheinlich und für mich schon mal unzutreffend, aber ok). Aber wenn man tatsächlich mehr Partizipation will, dann kann man doch nicht ernsthaft hergehen und sagen: “Dieser eine Schritt zu einer breiteren Teilnahme ist uns erstmal zu wenig und deshalb bleiben wir lieber beim schlechteren Status Quo”.

    Wenn man die Menschen zu etwas bewegen will, dann darf man es ihnen halt nicht gar so schwer machen, nur weil sie sich das halt etwas anders vorstellen, als die, die bisher mitgemacht haben…

    Die Gegenargumente zu den Grünen Vorwahlen halten bei genauerer Betrachtung einfach allesamt nicht – zumindest nicht die, die offen vorgebracht werden.

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