Nulllohnrunde: Warum die Presse am Sontag irrt – und das auch noch manipulativ!

Geschrieben von Markus Rathmayr am 17. Mai 2009 | Abgelegt unter Wirtschaft

Grundsätzlich ist die Presse am sontag eine lesenreiche Bereicherung des sonntäglichen frühstücks, zumindest falls ausnahmsweise die ZEIT bereits ausgelesen sein sollte. Fast schon mit spannung erwarte ich den jeweils aktuellen Beitrag auf der Ersten Seite des Wirtschaftsteils Eco – Supermarkt, Was Kapitalismus kann und wofür er nichts kann. Diese Artikel von Franz Schellhorn haben als neoliberale Kampfartikel einen ungeheuren Unterhaltungswert.  Heute hat er sich tatsächlich einen eigenen Blog-Beitrag verdient.

Im Wesentlichen spricht sich der Autor klar für eine Nulllohnrunde aus, da sonst Arbeitplätze verloren giongen und außerdem das zusätzliche Realeinkommen bei Lohnsteigerungen zum großen Teil auf dem Sparbuch landen würden. Inhaltlich argumentiert er außerdem mit der Benya-Formel. Diese besagt, dass die Beschäftigten die Inflation und einen Teil der Produktivitätssteigerungen abgegolten bekommen. Die Inflation sei nahe 0 und die Produktivitätssteigerungen negativ! dem widersprechen aber die Zahlen. So ware die entwicklung der Produktivität laut ÖNB im mletzten Jahr sehr wohl noch positiv. Die Inflationsraten von 2008 sind ohnehin bekannt (3,2%). Selbst laut Benya-Formel müsste es also eine signikante Lohnerhöhung geben.

Die Prognose sowohl der Produktivität als auch der Inflationsraten sind aktuell kaum mehr als Kaffeesud lesen. Je höher die Entlassungen, desto postiver die Produktivitätsentwicklungen. In den USA z.B. war die Entwicklung der Arbeitsproduktivität im 1. quartal 2009 überraschend stark, bedingt durch die vielen Entlassungen.Vielleicht erleben wir heuer tatsächlich keine Produktivitätssteigerungen. diese wären aber erst beim Abschluss 2010 zu berücksichtigen.

Nun zum theoretischen fundament seiner Argumentation. Hier eght der autor bewusst manipulativ vor. Hier steht Milton Friedman, Nobelpreisträger, sonst steht nichts über ihn. er hat vor über 30 Jahren nachgewiesen, dass in Krisenzeiten mehr gespart wird und daher gefordert auf Lohnerhöhungen in Krisenzeiten zu verzichten. Mit keinem wort wird erähnt, dass Milton Friedman der vordenker des Neoliberalismus der schlimmsten Form war. Friedman war es, der Pinocht (ökonomisch) unterstützte und seine Chicago Boys als Unterstützer des Regimes nach Chile sandte. Friedman war es auch, der letzlich Argentinien in den Staatsbankrot trieb. Zu der Zeit hatte er den Nobelpreis bereits. Friedman hat seine ökonomischen Theorien immer dazu instrumentalisiert, seine politischen Vorstellungen zur Umsetzung zu verhelfen. Das zentrale Element waren immer Deregulierung, freie Märkte, und triple down economics. Alles Vorstellungen, deren Schitern wir derzeit tagtäglich live mitverfolgen können. Soviel zur Seriosität und Verlässichkeit seiner mittlerweile mehr als 30 Jahren alte Theorie!

All jene Ökonomen, mittlerweile die überwiegende Mehrzahl, die Reallohnsteigerungen als Konjunkturmotor fordern, werden weder beim Namen genannt, dafür aber pauschal in die Nähe des ÖGB gerückt. Das ist eines angeblichen Qualitätsmediums unwürdig!

Aber zum Thema Nulllohnrunde ja oder nein. Aufgrund der massiven Kurzarbeit haben viele Beschäftige ohnehin bereits mit stark sinkenden Reallöhnen zu beklagen. Diese Branchen werden selbst bei positiven Lohnabschlüssen effektiv mit Minus-Lohnrunden zu rechnen haben. Es ist aber sehr wohl der private Konsum, der für nachhaltiges Wachstum verantwortlich ist, selbst in einer stark exportorientierten Ökonomie. Psychologie spielt in der Krise eine besondere Rolle. Je größer das Krisengeheul, je stärker die Reallöhne sinken, desto stärker werden die Leute auf die Konsumbremse treten und somit die Krise verlängern.

Ein Kommentar zu “Nulllohnrunde: Warum die Presse am Sontag irrt – und das auch noch manipulativ!”

  1. am 24. Mai 2009 um 16:59 1.adi schrieb …

    wie wahr.
    ein Nobelpreis ist kein Preis, der einen Mensch zum göttlichen Wesen statuiert.
    Es ist immer angebracht, zu hinterfragen, zu analysieren, usw. (Anmerkung: Das vermisse ich übrigens bei Journalisten sehr. Es wäre interessant, wenn es eine Zeitung gäbe, bei der auch die Quellen (so ähnlich wie bei der Wikipedia) angegeben werden. Das passiert nämlich eher selten. Recherche ist halt zeitaufwendig kostenintensiv.)

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