Wirtschaft in a nutshell – Was der Markt und Schokosauce gemeinsam haben

Geschrieben von Markus Rathmayr am 7. September 2009 | Abgelegt unter Wirtschaft

Beide können eine echte Bereicherung sein, aber nur dort wo es passt. Oder kann sich jemand ernstlich einen Tafelspitz in Schokosauce als kulinarisches Vergnügen vorstellen. Selbst Brathuhn in Chilli-Schokosauce ist nicht jedermanns/fraus Sache.

Ich gebe zu ich bin ein Schokotiger. Sonst hätte ich als Vergleich wahrscheinlich Erdäpfelpüree, oder Trüffelöl genommen, auch die reine Zubereitungsart, z.B. Frittieren, würde sich gut eignen. Aber zurück zum Markt. Der, idealerweise in seiner freien Form, wird es richten, konnten wir aus (fast) allen politischen Lagern 15 bis 20 Jahre lang vernehmen. Der Arme kann ich da nur sagen. Viel Unrecht wurde ihm angetan. Denn zunächst einmal ist der Markt nie frei, sondern findet nach von Menschen definierten Regeln statt. Das Fehlen solcher Regeln mit “Freiheit” gleichzusetzen ist ein genialer sprachlicher Schachzug, aber ökonomischer Unsinn. Dort wo Regeln fehlen bilden sie sich, meist siegt dann das Recht des Stärkeren. Nicht umsonst wurde der “freie Markt” von den starken TeilnehmerInnen gefordert.

Was tut der Markt denn eigentlich.

Zunächst einmal bildet er Preise. Alles wovon es weniger gibt als benötigt wird muss irgendwie verteilt oder zugeteilt werden. Der Markt macht das indem diejenigen zum Zug kommen, die bereit sind am meisten für ein Ding zu zahlen, denen es also am meisten wert ist. Um einzuschätzen wieviel mir etwas wert ist muss ich aber alle Informationen dazu haben, ich muss außerdem die Zeit haben diese Informationen richtig einzuschätzen und ich muss frei von Zwängen entscheiden können. Letztendlich müssen die Wert-Entscheidungen rational erfolgen. Da wird’s schon haarig! Der Markt an sich ist also nicht böse, sondern nur sehr schwer so umsetzbar, dass er “gut” ist.

Wo passt er nicht?

Überall dort wo der Mangel ein Problem darstellt. Gewisse Güter (Gesundheit, Bildung, Öffentl. Verkehr etc…) müssen einfach für alle da sein. Der Wert für uns alle, wenn alle darauf zurückgreifen können ist einfach so groß, dass eine “Selektion” ökonomisch schlecht ist und außerdem moralisch untragbar.

Wie schaut das mit den Regeln aus

Dort wo er zum Einsatz kommt braucht es Regeln, die dazu führen, dass er halbwegs so funktioniert wie der Moral-Philosoph Adam Smith es sich einst gedacht hatte. Denn seine Idee kam schon daher Unterdrückung und das Recht des Stärkeren auszuhebeln. Zu den Regeln gehört Transparenz (=Information). Es muss klar sein worum es geht, was also gehandelt wird. Was ist da drinnen, welche Auswirkungen hat das auf mich und meine Umwelt wenn ich es konsumiere oder auch nicht konsumiere? Welche Alternativen gibt es? Klingt das in Zusammenhang mit der aktuellen Finanzkrise und den obskuren Produkten nicht sehr vertraut?

Anzahl der Anbieter. Das Ganze läuft nur dann wenn sich die Anbieter nicht absprechen können, wenn es also genug davon gibt.

Schutz gegen Zwangssituationen. Jemand der konsumieren muss kann sich nicht entscheiden und wo Entscheidung nicht möglich ist kann der “wahre” Wert nicht ermittelt werden. Hängt teilweise mit dem oberen Absatz zusammen, aber eben nicht nur.

Letztendlich bleibt immer noch das Problem der “rationalen Entscheidung”. Derzeit wird heftig darüber gestritten, ob es sowas überhaupt gibt. Das ist unzweifelhaft eine spannende Frage, wenngleich fast schon philosophisch oder eher soziologisch. Denn es hängt sehr stark vom jeweiligen Menschenbild ab inwiefern Vernunftbegabtheit angenommen wird.

Welche Alternativen gibt es

Tja, das ist das eigentliche Problem. Für all jene Bereiche, in denen der Markt nicht passt (siehe oben), müssen die Leistungen und Produkte öffentlich bereit gestellt werden, Punkt aus!

Ansonsten gilt es an den Regeln zu arbeiten. Denn so gerne ich an Alternativen wie Parecon glauben möchte,  bleibt der große unüberwindbare Zweifel, dass all die nötigen Aushandlungs- und Verhandlungsprozesse viel zu viel Zeit brauchen und mit der menschlichen Natur ebensowenig in Einklang zu bringen sind wie die rationale Entscheidung. Wenn gleich Parecon gerade in Fragen der Demokratisierung öffentlicher Entscheidungen und Partizipationsmöglichkeiten tolle Antworten anbietet.

Fazit

Zurück zur Schokosauce. Es gäbe noch viel zur Schokjosauce zu sagen und manches wurde sehr verkürzt dar gestellt (für Dummies eben). Ich liebe Schokosauce, doch sie muss erstens sehr gut und sorgsam zubereitet werden (Schokolade ist empfindlich), nur dann ist sie geschmacklich ein Genuss und optisch ansehlich. Für das Scheitern oder den Erfolg sind letzlich immer die Personen verantwortlich, die sie zubereitet haben und für die Rahmenbedingungen gesorgt haben (Herdtemperatur, Ingedientien etc…) , und an diese Verantwortung muss immer und immer wieder erinnert werden.

Trackback URI | Kommentare als RSS

Einen Kommentar schreiben